Experiment Nachhaltigkeit

  • Moin Moin Leute,


    da mich das Thema Nachhaltigkeit interessiert und vor allem in der Meerwasseraquaristik noch viel Schindluder getrieben wird, hab' ich mich dazu entschlossen ein komplett künstliches Riff zu bauen.
    Wie schon im Titel beschrieben, soll es erstmal ein Experiment sein. Natürlich nicht auf kosten irgendwelcher Lebewesen. Deswegen geht's im ersten Sinne am Anfang darum, wie Wasserwerte und Biologie sich in so einem Becken entwickeln.


    Die Rahmenbedingungen sollen im "low Budget" Bereich liegen.
    Geplant war:
    Dennerle Scaper's Tank 50L
    Tunze Comline Filter 3126
    CaribSea south seas base rock (noch nicht sicher)
    Sand von RedSea (weil noch 'n Beutel hier rum fliegt)
    Onescape Nextone twentyfive


    Jetzt zu meinen Fragen und der Teil bei dem ich offen bin für Ideen und Anregungen....
    Auf eine verlängerte Einlaufphase habe ich mich schon eingestellt. Meint ihr Starterbakterien (sei es das Programm von RedSea, von Microlift oder AF) ausreicht ? Sollte man vielleicht doch lieber einen kleinen Lebendgestein für den Anfang sich leihen und einsetzten ? (zerstör die Philosophie des Beckens aber auch gleich wieder). Wie sieht es in einem so "chemisch reinen" Becken mit Kleinstlebewesen im laufe der Einlaufphase aus ?
    Keine Alternative ist die, die auf kosten von Korallen und Fischen geht in dem man alles auf einmal einfach rein schmeißt in der Hoffnung es würde vielleicht so funktionieren. Abgesehen davon, dass ich natürlich in dem Bereich auch eingeschränkt bin, da natürlich nur Nachzuchten in Frage kommen.


    ich bin gespannt auf eure Ideen und Anregungen .... :D

  • Hi, interessant wird das Thema Nachhaltigkeit bei Fischen und Korallen. Dann darfst du nämlich nur Nachzuchten kaufen.
    Schau dir mal die RRR an als Gestein an.
    Verzichte doch, wenn du Nachhaltig sein möchtest, auf Chemie bzw Bakterien und gib ne Handvoll Sand aus einem anderen Becken hinzu.

  • Dazu kann ich dir ein bisschen was schreiben =)


    Ich habe mein Becken im Juli (~400L) ausschließlich mit South Seas Base Rocks gestartet, auf die Zugabe von künstlichen Bakterienpräperaten habe ich verzichtet.
    Ich habe nach 3 Tagen die ersten 15 Ableger eingebracht und damit auch die erste Biologie und dann relativ schnell auf ca. 50 Ableger (Acros, LPS, SPS und 1-2 Weiche)
    aufgestockt.


    Das Becken hat sich gut entwickelt, mann muss nur die Nährstoffe im Auge behalten, denn es ist ja quasi nichts da.
    Jetzt nach 4 Monaten kann ich sagen es war der richtige Weg, die Werte sind sehr stabil (PO4 0,02, Nitrat 1-3) und die Korallen zeigen ein ordentliches Wachstum, auch die Steine haben inzwischen eine sehr natürliche Lebendgestein - Farbe angenommen und es wuselt alles mögliche an Kleingetier durchs Becken.


    In deinem Fall, da du ja keine Fischen einsetzen kannst, musst du die Korallen mit Staubfutter zufüttern um in keine Nährstofflimitierung zu rutschen.


    Viele Grüße
    Timo

  • Hallo,


    mein Fokus liegt ja auch auf dem Thema Nachhaltigkeit. Da ich mein Becken gerade erst gestartet habe, kann ich noch nicht viele Erfahrungen mitteilen.
    Ich habe im Hauptbecken South Seas Base Rock verwendet. Im Technikbecken habe ich ein paar Brocken von diesem Lebendgestein http://www.shop-meeresaquarist…achhaltigkeit::18825.html . Außerdem habe ich bei Mrutzek etwas eingefahrenen Sand mitbestellt und auf den Bodengrund im Hauptbecken gegeben. Ich gebe aber auch Bakterien zu.


    viele Grüße,
    Susanne

  • Das mit den Fischen und Korallen als Nachzuchten wird sich sicherlich als schwerste Aufgabe erweisen. Zumindest dann, wenn man niemanden hat, der einem einen Ableger basteln würde. Ich bin noch nicht sicher, in wie weit ein Ableger von jemandem dessen Koralle ein Wildfang ist, zählt.


    Ohne Starterbakterien bzw. das Becken laufen zu lassen wird wohl kaum möglich sein. Nährstoffe oder sonstiges müssen ja immer chemisch zugeführt werden. Von daher kann ich auch mit Bakterienkulturen arbeiten. Allerdings ist eine Hand voll Sand aus einem eingelaufenem Becken keine schlechte Idee. Genauso wie etwas Wasser, was schon etwas gelaufen ist (natürlich alles nur aus vertrauter Hand)

  • Das muss natürlich jeder für sich selbst wissen, was für ihn als nachhaltig gilt und was er zählen lässt.
    Ich persönlich werde es so halten, dass für mein Becken nichts aus dem Meer direkt entnommen werden soll. Wenn etwas aus sinnvoll betriebener Aquakultur stammt, wäre es für mich dann also zB ok. Genauso finde ich in Deutschland gewonnene Ableger grundsätzlich ok.
    Bei den Korallen sehe ich ehrlich gesagt gar kein Problem. Klar muss man auf bestimmte Arten vielleicht verzichten, aber ich finde es gibt so viele schöne Korallen von denen Ableger verfügbar sind.


    Bezüglich Fischbesatz ist man sehr eingeschränkt, das stimmt. Aber auch da wird man fündig. Kommt natürlich auch auf die Beckengröße an, was man überhaupt einsetzen kann. Bei einem so kleinen Becken wären Neongrundeln vielleicht eine nette Variante.

  • Meine Meinung: ein Becken ohne Wildfang ist praktisch nur für kleine Becken möglich, denn der zusätzliche Pflegeaufwand, den man durch fehlende Fressfeinde notgedrungen hat, kann nur in einem kleinen Becken geleistet werden. Wo für Glasrosen noch Nachzuchten von Tangfeilenfischen zumindest theoretisch möglich sind wird es bei den Algen schon schwieriger. Das ist die Domäne von Doktoren, Seeigeln und großen Schnecken, eventuell noch Salarias fasciatus. Diese sind bisher praktisch nicht nachgezogen worden. Nicht weil es unmöglich ist, sondern weil in den meisten Fällen der hohe Aufwand nicht lohnt.


    Ich möchte im nächsten Jahr auch etwas für die Nachhaltigkeit tun, allerdings werde ich mich auf die Nachzucht konzentrieren. Von Phytoplankton angefangen bis zu Zooplankton als Grundlage und dann weiter zur Nachzucht von Aquarienbewohnern wie etwa die Seeigel und Schnecken. Eventuell auch Nachzuchten von Kardinalbarschen oder eben die kleinen Grundeln.


    Wie möchtest Du das mit dem Futter machen? Die meisten Futtersorten enthalten als Bestandteil Fische, die kommerziell gefangen wurden aus dem Meer, auch ein Großteil von dem Frostfutter wie Mysis wird aus dem Meer entnommen. Wenige Ausnahmen sind z.B. die Artemia von Artemiafarm Rein, die aus einem durch Bergbau-Abwasser entstandenem Salzsee kommen.

  • Was zählst du denn als "kleines Becken"?
    ich hoffe darauf dass als Putztrupp in meinen 300l Cerithium, Stomatella und Lysmata wurdemanni ausreichen. Für Docs finde ich das Becken eh zu klein.
    Ob sich der Aufwand lohnt, solche Tiere nachzuzüchten, hängt sicherlich primär davon ab, wie viel der Verbraucher bereit ist zu zahlen.
    Übers Futter habe ich mir offen gestanden noch keine Gedanken gemacht und ich denke da werde ich eine Ausnahme machen... :D Flo, was sind da deine Gedanken dazu?

  • Ich möchte eben genau dieses Denken gar nicht erst aufkommen lassen, dass ein fisch/Krebs/Schnecke/Seeigel nur als "Putzkolonne" oder "Schädlingsbekämpfung" eingesetzt oder angesehen wird. Auch in meinem "normalen" Becken hat mich dieses Denken schon immer gestört. Ich möchte nur was in meinem Becken, was mir gefällt. Nicht weil ich Algen hab' den dieser Doc jetzt frisst.
    Man Neongrundeln habe ich gedacht aber vielleicht auch an einen reinen Korallenbesatz ohne jeglichen Fisch. Die Idee Futter selber zu züchten ist natürlich aber auch eine gute Alternative.


    An Futter habe ich auch sonst schon überlegt. Aber auch hier gibt es mittlerweile Firmen. Dennerle hatte schon vor Jahren Futter im Süßwasserbereich raus gebracht.
    Man könnte aber auch so argumentieren, dass Fischnebenerzeugnisse drin sind. Die kommen in der Regel aus der Lebensmittelindustrie von dem Fisch, den wir kaufen und essen.

  • Hallo Susanne,


    für mich sind bei 300l schon die Grenze für "kleines Becken" überschritten. Dazu zähle ich die typischen Nanoaquarien unter 100l bis zu kleineren Systemen wie Aqua Medic cubicus oder Eheim Scubacube 165. Bei 200l und aufwärts sind dies keine kleinen Becken mehr in meinen Augen.


    Schnecken und Garnelen nehmen nur den Aufwuchsflaum, aber nicht bzw. nur wenige Makroalgen bei den Garnelen, meist die schönen Makroalgen, die liebevoll herangeüchtet wurden. Die meisten Makroalgen wirst Du mit Hand entfernen müssen.


    Flo :
    Für mich war z.B. der Chelmon DER Traumfisch überhaupt, den ich mit einem Korallenriff verbunden hatte. Nachdem mir jedoch ein Futterverweigerer verhungert war hatte ich davon abgesehen weitere Fische zu verheizen. Erst als ich einen "gebrauchten" Chelmon gesehen hatte, der futterfest war, habe ich zugeschlagen, und dieser ist jetzt seit drei Jahren bei mir im Becken. Dass er Glasrosen frissst und hoffentlich keine LPS niedermacht habe ich gehofft und sehr großes Glück gehabt. Nach einem halben Jahr fing er tatsächlich an, Glasrosen zu fressen und hält mein Becken seitdem davon frei.


    Der Palettendoktor war eine Mitleidsmitnahme, weil das Forenbecken von Nanoriffe aufgelöst wurde. Aber glaube mal nicht, dass der an Algen gehen würde, vielleicht alle Traumjahre einmal. Dafür rupft er lieber die Pinnigorgia, und zwar ganze Äste auf einmal.


    Auch die Rauchkaiser kann man nicht unbedingt als "reefsafe" bezeichnen. Die rupfen leider schon die eine oder andere Koralle, bisher aber noch nicht exzessiv. Da habe ich schon viel nach Gefallen und nicht nach Funktion gesucht. Trotzdem achte ich schon darauf, dass bestimmte Nischen besetzt sind, denn je mehr die Bewohner selbst das Aquarium pflegen, desto weniger muss ich mit meinen Fingern darin rumfuhrwerken.
    Alles muss natürlich von Lebensbedingungen auch ins Becken passen, einen Marmorhai ins 800l Becken setzen wäre nicht so genial.


    Ich bin eher etwas vorsichtig mit der Ansicht, nur das reinzusetzen, was einem gefällt, denn schließlich müssen diese Tiere später auch miteinander im Becken zusammenleben und sich wohl fühlen.

  • Sandy,


    so wie du das jetzt beschreibst, ist das natürlich was anderes. Im "großen" Becken hatte wir auch schon einen halb toten Doc zum aufpäppeln. Das er Algen gefressen hat, war dann natürlich ein netter Effekt, keine Frage! und bevor ich angegriffen werde; ja, er ist gleich nach der Genesung wieder ausgezogen in ein angemessenes Becken :thumbsup:
    Es klang nur im ersten Moment nach diesem "du brauchst den Fisch dafür, den dafür und ach ja, den sollte man auch noch haben dafür" was ich nicht so unterstützen möchte. Entschuldige dafür!

  • Hallo Flo,


    ich hatte es mir schon gedacht, dass es nur ein Sturm im Wasserglas ist, ohne dass man den Beckenwerdegang miterlebt hat ist es auch schwer zu sagen, ob jemand die Beckengrenzen kennt oder einfach das Becken vollstopft mit allen möglichen unpassenden Tieren. Joe hatte mir für die Seeastern mal den Fledermausfisch empfohlen, aber der ist für mein Becken doch zwei Nummern zu groß, jetzt haben die Seeastern leider gewonnen.


    Was ich wirklich nicht ausstehen kann ist das "ich kaufe mir Problemlöser-Fisch jung und lasse ihn arbeiten. Wenn Problem gelöst ist wird er in ein größeres Becken weiterverkauft". Bei mir bleiben die Fische, wenn es nicht eine echte Unverträglichkeit gibt. Meine Wette ist da eher, ob es einen Fisch aus den ersten Jahren geben wird, der mich bis zur Rente begleitet. :love:
    Wie Leute es schaffen, ständig neue Fische zu kaufen ist mir völlig rätselhaft. Mein Becken war nach gut zwei Jahren voll und seitdem geschlossene Gesellschaft.

  • Ich möchte eben genau dieses Denken gar nicht erst aufkommen lassen, dass ein fisch/Krebs/Schnecke/Seeigel nur als "Putzkolonne" oder "Schädlingsbekämpfung" eingesetzt oder angesehen wird. Auch in meinem "normalen" Becken hat mich dieses Denken schon immer gestört. Ich möchte nur was in meinem Becken, was mir gefällt. Nicht weil ich Algen hab' den dieser Doc jetzt frisst.


    hi,


    es gibt nix nachhaltigeres, als ein beckenbewohner, der das fressen kann, was das becken selbst hervorbringt 8)

  • Hiho,


    das argument würde nur so halb gelten lassen. Das natürlichste ist auf jeden Fall das fressverhalten eines Fisches im eigenen Aquarium zu ermöglichen ohne zufüttern.
    Doch kann es nicht sein, dass man sich einen Fisch kauft für etwas. Eher sollte man doch dann "Algen" kaufen um das natürliche Fessverhalten zu unterstützen. Also meiner Meinung nach.
    ich bin wie oben beschrieben der Meinung, dass auch mal zu viele Seesterne dann drin sein dürfen ohne gleich einen neuen Fisch zu kaufen nur weil der gerade die jetzt fressen "könnte". Dann muss man halt mal selber picken


    mit den Ablegern hast du natürlich recht. Alles hat mal mit einem Wildfang angefangen. Ich hab jetzt nur überlegt, ob der Ableger eines Ablegers nicht besser wäre ....

  • moin,


    warum kann es nicht sein, dass man bei einer glasrosenplage fische/schnecken oder garnelen kauft, um diesese plage zu beseitigen?


    anders wirst du tlw. einer plage gar nicht mehr los.


    seesternabsammeln mag noch einfach sein, in einem großen becken einer glasrosenplage herr zu werden, bedarf es schon des zielgerichteten einsatzes eines entsprechenden, nur zu diesem zwecke angschafften fisches.

  • Hi,


    ich seh' das etwas anders. Ich kaufe doch kein Tier für einen Zweck den es erfüllen muss. Das wäre so, als würde man sagen "ich kauf mir 'n Hund damit ich endlich öfter spazieren gehen muss". Aber wie gesagt, das ist meine Meinung dazu.


    Jeder kann ja seine Tiere kaufen, warum und zu welchem Zweck er möchte. Ich möchte einen Fisch, weil er schön aussieht nicht weil er irgend eine Aufgabe in meinem Becken erfüllen soll -bis auf schön aussehen- :D
    Auch hier, natürlich informiere ich mich vorher über den Fisch und seine Bedürfnisse!


    Aber das ist ja off Topic meines eigentlichen Themas und darüber diskutieren und philosophieren könnte man sicherlich jetzt noch Tage. ^^

  • Hallo Flo,


    was Du und Joe schreiben ist kein Gegensatz, es sind nur zwei Seiten der gleichen Münze. Für mich ist das schönste Becken eines, wo eine lebendige Riffgemeinschaft lebt mit vielfältigen Beziehungen untereinander, wo wie im natürlichen Riff ein Gleichgewicht leben, so dass keine Art dominant das ganze Becken beherrscht und sich auf Kosten der anderen ausbreiten kann.
    Fressfeinde gehören da auch zu, sonst kippt das ganze System einfach um wie bei mir mit den Seeastern. In einem 800l-Becken mit vielen nicht einsehbaren Stellen und den fiesen Anemonen, die sich einfach durch Treiben überall hinsetzen können hast Du ohne Fressfeind kaum eine Chance.


    Was ich überhaupt nicht schön finde sind diese Becken, wo überhaupt kein Fitzelchen auf dem Boden liegt, Sand auch nicht und alles wirkt, als wäre es gerade aus der Waschmaschine gekommen und selbst die Korallen noch mit deutschem Ordnungssinn orthogonal gestutzt wurden wie die Hecke im Garten des konservativen guten Bürgers.

  • Ja, das kannte ich schon und auch eine ähnliche "Doku".
    Aber wieder mal eine Darstellung dessen, warum man den Konsum nicht allen voran stellen sollte und ein Grund mehr das "Experiment" Nachhaltiges Meerwasserbecken zu realisieren.